BioSpain 2008

Bio, Gesundheit und eine gute Ernährung

Warum ist Bio teurer als konventionelle Lebensmittel

Das Bild des Landwirtes, das sich in dem alten Volkslied “Im Märzen der Bauer…”, zeigt, hat mit der heutigen Landwirtschaft kaum mehr etwas gemein. Den Landwirt, der vollständig im Lauf der Jahreszeiten und im Einklang mit der Natur seine Scholle bewirtschaftet, gibt es fast nicht mehr. An seine Stelle ist die Agrarindustrie getreten, die für die Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse sorgt.

Der Anfang dieser Entwicklung liegt in den Industrieländern in den Zeiten des Wirtschaftswunders auf. Die Fortschritte in der Chemie, der Biologie und der Landwirtschaftstechnik hatten es möglich gemacht, ertragreiche Nutzpflanzen zu züchten und diese durch chemische Mittel gegen Schädlingsbefall zu schützen. Gleichzeitig war es gelungen, die Bodenfruchtbarkeit durch die Zugabe von Mineraldünger zu erhöhen. Die Früchte dieser Tätigkeit konnten mit hocheffizienten Maschinen in kurzer Zeit geerntet und in den Handel gebracht werden. Vereinfacht gesagt, die Landwirtschaft wurde industrialisiert und wirtschaftlich optimiert.

Durch die Anwendung industrieller Verfahren in der Landwirtschaft wurde eine Spirale in Gang gesetzt. Das hohe Angebot ließ die Preise verfallen und die Landwirte waren gezwungen, ihre Produktivität weiter zu steigern, um genügend Umsatz zu erzielen. Das verstärkte den Druck zur Spezialisierung und zur Massenproduktion. Für den Verbraucher bedeutete dies, dass er Nahrungsmittel zu niedrigen Preisen erstehen konnte. Erkauft wurden diese Preise letztlich durch den Einsatz chemischer Hilfsprodukte und eine tierquälerische Haltung von Nutztieren.

Seit Ende der 1970er-Jahre wuchs die Erkenntnis, dass die naturfern erzeugten Produkte der konventionellen Landwirtschaft zwar preisgünstig sind, aber massive Umweltschäden bewirken. Außerdem kamen Zweifel an der gesundheitlichen Unbedenklichkeit der Produkte der Agrarindustrie auf. Zu dieser Zeit begannen einige Bauern, ihre Produktionsmethoden wieder dem natürlichen Kreislauf anzupassen.

Beim ökologischen Landbau, der zur Erzeugung der Bio-Produkte dient, wird bewusst auf die Zugabe künstlicher chemischer Mittel zur Ertragssteigerung verzichtet. Stattdessen wird durch natürliche Verfahren wie Gründüngung, Kompostgaben, Fruchtfolgewirtschaft und die Vermeidung von Monokulturen versucht, einen ausreichenden Ertrag zu erwirtschaften. Dies gelingt auch, ist bei ausschließlicher Betrachtung der Produktionsmenge bezogen auf den Flächeneinsatz aber nicht erfolgreich. Anders ausgedrückt benötigt ein Landwirt, der Bio-Produkte erzeugt, mehr Arbeitszeit und mehr Anbaufläche, um die gleiche Menge wie ein Industrielandwirt zu ernten. Die Kosten für Pflanzenbehandlungsmittel und Düngemittel, die ein konventioneller Landwirt aufzubringen hat, fallen demgegenüber kaum ins Gewicht.

Damit ist die Frage, weshalb Bio-Lebensmittel teurer sind als Lebensmittel aus dem industriellen Landbau, einfach zu beantwortet. Der Aufwand, den der Landwirt zur Erzeugung der Lebensmittel treiben muss, ist bei den biologischen Produkten höher. Demzufolge muss der Preis für diese Produkte ebenfalls höher liegen, als für die konventionell erzeugten.

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